28. Februar 2024

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Riemanns Wiederauferstehung: VfL-Coach Letsch zieht den Hut

Wäre sein Stellvertreter nicht erkrankt, hätte Manuel Riemann wohl seinen Posten als Stammtorhüter des VfL Bochum verloren. So steht er in Köln im Tor, hält stark und spielt zu null.

Manuel Riemann hatte feuchte Augen. Am Ende einer aufreibenden Woche liefen die Mitspieler auf ihn zu und drückten ihn innig an sich.

Nach siebeneinhalb Jahren hätte der emotionale und polarisierende Torhüter beinahe seinen Status als Nummer eins des VfL Bochum verloren. Am Ende war er der Held beim 2:0 am Freitagabend in der Fußball-Bundesliga beim 1. FC Köln, dem zweiten Auswärtssieg der Saison. Durch diesen Erfolg verbesserte sich Bochum in 90 Minuten vom letzten auf den 14. Platz. Und Riemann stand sinnbildlich für die Wiederauferstehung des VfL. 

«Ziehe den Hut vor Manuel»

«Ich ziehe den Hut vor Manuel», sagte Trainer Thomas Letsch: «Natürlich ist Druck da, wenn du infrage gestellt wirst und es viele Themen gibt rund um deine Person. Dann so eine Leistung abzuliefern, verdient absoluten Respekt. Und sagt alles aus über ihn als Torhüter und Person.»

Bis zum Tag vor dem Spiel schien sich abzuzeichnen, dass Riemann das prominente Opfer der jüngsten Negativserie wird. Doch dann meldete sich Ersatzkeeper Michael Esser, der Riemann wohl im Tor abgelöst hätte, mit Magen-Darm-Problemen ab. Auf die Frage, ob Riemann gespielt hätte, wenn Esser fit gewesen wäre, antwortete Letsch ausweichend. «Das ist müßig», sagte er: «Manuel hat gespielt. Und Manuel hat gut gespielt.»

Die Nummer 1 hat also ihren Status wieder gefestigt. Doch mindestens ebenso wichtig war am Freitag die Rückkehr von Anthony Losilla. «Wir haben immer gewusst, dass er wichtig für uns ist. Als er dann gefehlt hat, haben wir aber gemerkt, wie wichtig er ist», sagte Letsch über seinen Kapitän, der zuletzt zweimal rotgesperrt hatte aussetzen müssen. An seinem 37. Geburtstag bestätigte Losilla die Einschätzung seines Trainers, nach der er «topfit wie ein 25-Jähriger» sei.

«Das war ein wunderschöner Abend. Die Jungs haben mir das schönste Geschenk gemacht», sagte er: «Endlich konnte ich wieder Gas geben auf dem Platz. Das war ein geiles Gefühl.» Mit seinem Trainer musste er aber noch eine Sache klären. «Ich wollte Pizza für die Mannschaft. Aber angeblich hat es der Trainer verboten», verriet der Franzose. Er hatte diese Information aber offenbar aus zweiter Hand und sein Trainer reagierte überrascht. «Ich habe nichts verboten. Von meiner Seite aus können sie gerne Pizza essen», sagte Letsch.

Unmissverständlich waren aber offenbar die ungewohnt harten Worte, die der Trainer nach dem 0:2 gegen den FC Schalke 04 und dann vier Spielen ohne Punkt und Tor unter der Woche gefunden haben soll. «Jeder hat sich aufgeopfert», stellte Letsch zufrieden fest: «Ich hoffe, dass jeder, der letzte Woche dachte, dass wir nicht kämpfen, gesehen hat, dass wir leben. Und dass wir weit davon entfernt sind, uns aufzugeben.»

Von Holger Schmidt und Moritz Rommel, dpa